Stütz- und Kompressions-Strümpfe beim Sport | Joggen, Skifahren, Wandern & Yoga

Stütz- und Kompressions-Strümpfe beim Sport | Joggen, Skifahren, Wandern & Yoga

Kompressionsstrümpfe werden nicht nur bei Venenleiden eingesetzt, sondern auch von vielen Sportlern, deren Venen komplett gesund sind. Der ständige Druck auf die Venen ist bei allen Aktivitäten, die langes Stehen, Gehen oder Laufen voraussetzen, eine große Hilfe. Das Abtransportieren von Lymphflüssigkeit und der Rückfluss von sauerstoffarmem Blut zum Herzen wird verbessert. Dadurch kann die Beinmuskulatur schneller mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, was beim Sport ein klarer Vorteil ist.

Ob die Strümpfe direkt beim Sport eine Leistungssteigerung bringen, ist unter vielen Sportlern allerdings noch umstritten. Viele berichten von weniger Schmerzen in den Beinen, einem “leichteren” Gefühl beim Joggen und einer erhöhten Ausdauer. Einige Sportler können diese Erfahrungen allerdings nicht teilen oder hatten beim Tragen Probleme, wie das Verrutschen der Strümpfe oder unangenehme Druckstellen. Dennoch haben die Strümpfe einige Vorteile für Sportler, die nicht von der Hand zu weisen sind. Selbst wenn die Strümpfe bei manchen Sportlern keine Leistungssteigerung hervorrufen, beugen diese Venenleiden vor und beschleunigen die Muskelregeneration.

Weniger Belastung der Blutgefäße

Durch das schwungvolle Auftreten beim Joggen oder Sprinten kommt es zu einem Druckimpuls in den Beinen, der besonders für “untrainiertes” Gewebe schädlich sein kann. Anfänger spüren nach einem starken Aufprall des Fußes ggf. einen drückenden Schmerz in der Fußoberseite. Dies geschieht, weil das Blut durch den Schwung der Laufbewegung nach unten gepresst wird und die Blutgefäße durch einen erhöhten Druck beansprucht.

Mit einem Kompressionsstrumpf wird dieser Druckimpuls verringert und auch untrainierte Jogger können sich einer längeren Belastung aussetzen. Trotzdem sollten Anfänger langsam anfangen und eine kontinuierliche Leistungssteigerung anstreben. Gerade am Anfang ist man “übermotiviert” und überansprucht Muskulatur, Sehnen, Gelenke und Bindegewebe, was im schlimmsten Fall zu einer Verletzung und dem vorübergehenden Ausfall aller sportlichen Aktivitäten führt.

Schnellere Muskelregeneration durch Kompressionsstrümpfe

Auch nach dem Sport berichten viele Athleten von einer schnelleren Regeneration durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Dies ist auf 2 Effekte der Kompressionsstrümpfe zurückzuführen:

Verringerung der Milchsäure

Wenn unsere Muskeln belastet werden, beginnen diese Kohlenhydrate und Fette zu verbrennen. Bei geringen Belastungen geschieht dies durch die Zufuhr von Sauerstoff, wodurch die Nährstoffe in CO2 (Kohlendioxid) und Wasser umgewandelt werden. Das CO2 kann danach durch die Atmung wieder abgebaut werden.

Problematisch wird es bei stärkeren Belastungen, wie beim Rennen oder Joggen. Dabei verbrennt der Körper immer mehr Nährstoffe, ohne genug Sauerstoff zuführen zu können. Das Resultat ist nicht nicht mehr nur CO2 sondern auch Laktat, was das Salz der Milchsäure ist. Wenn dies lang und intensiv genug stattfindet, ist eine Übersäuerung der Muskulatur die Folge.

Durch das Tragen der Kompressionsstrümpfe wird die Sauerstoffzufuhr verbessert, was die Entstehung von Laktat im Muskel deutlich verringert.

Bessere Nährstoffzufuhr

Bei starker Belastung des Muskels entsteht nicht nur Laktat, sondern es bilden sich auch kleine Risse in den Muskeln, die letztendlich für den schmerzenden Muskelkater verantwortlich sind. Diese werden durch komplexe Heilungsprozesse und eine ganze Reihe an Nährstoffen wieder repariert. Durch die erfolgreiche Reparatur entsteht auch das oft gewünschte Muskelwachstum.

Um diese Muskelregeneration möglich zu machen, muss der Körper die benötigten Nährstoffe an die richtige Stelle transportieren. Dies geschieht zunächst einmal über unseren Blutkreislauf. Große Schlagadern (Arterien) münden in immer kleinere Verzweigungen, bis hin zu den extrem dünnen Kapillaren (auch Haargefäße genannt), die das Blutserum in das umliegende Zellgewebe abgeben. Von dort können die Zellen Enzyme, Hormone, Elektrolyte, Vitamine und Spurenelemente aus dem Blutserum aufnehmen und verarbeiten. Durch diesen Prozess entstehen auch kleinmolekülige Abfallprodukte, wie z. B. das Kohlendioxid, welches wieder durch Kapillaren und den Blutkreislauf abtransportiert wird. Großmolekülige Abfallstoffe, wie zum Beispiel tote Zellen, Bakterien, Eiweißmoleküle und sogar Tumorzellen müssen über das Lymphgefäßsystem abtransportiert werden.

Durch den Druck auf die Venen funktionieren die Venenklappen besser und das Herz benötigt weniger Kraft, um das Blut in den Blutkapillaren auszutauschen. Auch der Austausch von Lymphflüssigkeit wird stark verbessert, was den bereits genannten Abtransport von Abfallprodukten beschleunigt.

Welche Kompressionsstrümpfe sind für Sport geeignet?

Wer die oben beschriebenen Effekte ausnutzen möchte, muss allerdings auch die richtigen Strümpfe tragen. Entscheidend ist, dass die Strümpfe einen abnehmenden Kompressionsverlauf zum oberen Ende hin aufweisen und mindestens über einen Kompressionsgrad von 15 mmhg verfügen. Besser sind 23 - 32 mmHg, was der Kompressionsklasse 2 entspricht und 18-21 mmHg (Kompressionklasse 1) für die anschließende Ruhephase. Einfache Stütz- und Thrombosestrümpfe sind daher nicht geeignet, da diese über eine weitaus geringere Kompression verfügen.

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Für welche Sportarten sind Kompressionsstrümpfe geeignet?

Der typische Einsatz von Kompressionsstrümpfen beim Sport ist beim Joggen und Laufen. Doch auch bei vielen anderen Aktivitäten lohnt sich der Einsatz der Strümpfe.

Marathon
Genauso wie beim Joggen verursachen die Laufbewegungen bei einem Marathonlauf ständige Druckimpulse in den Beinen. Dazu kommt, dass ein Marathonlauf weitaus länger dauert, als die morgendliche Jogging-Einheit. Besonders Anfänger oder ältere Teilnehmer eines Amateur-Marathonlaufs sollten das Tragen von Kompressionsstrümpfen in Betracht ziehen. Auch wenn es unüblich ist, darf man bei den meisten Marathonläufen auch lange Funktionshosen tragen, unter denen man die Kompressionsstrümpfe vor der Öffentlichkeit verbergen kann.

Skifahren und Snowboarden
Egal ob zum Langlauf, Schussfahren oder im Snowboard-Park - wer im Winter auf der Piste steht, kommt um eine erhöhte Belastung der Beinvenen nicht herum. Ähnlich wie beim Joggen erhöht abruptes Abbremsen oder die Landung nach einem Sprung schlagartig den Blutdruck in den Beinen. Doch auch für gemäßigte Fahrer kommt eine Belastung durch langes Warten am Lift oder auf kilometerlangen Langlaufstrecken zustande. Snowboarder die Schlepplift fahren, setzen sich zusätzlich einer Belastung aus, da der Keil einige Beinvenen eindrückt und so das Blut im Bein gestaut wird.

Das Ergebnis sind geschwollene Beine, die in den engen Skistiefeln Druckstellen bekommen. Auch hier sorgen Kompressionsstrümpfe nicht nur für eine bessere Isolierung, sondern auch für weniger Schmerzen in den Beinen.

Wandern & Trekking
Beim Wandern sind unsere Blutgefäße 2 Effekten ausgesetzt: Zuerst geht es Bergauf, wobei die Beinmuskulatur extreme Leistungen erbringen muss. Die erhöhte Durchblutung in den Beinen sorgt für eine Erweiterung der Blutgefäße. Beim Absteigen kommen wiederum die Druckimpulse ins Spiel, die nun auf die bereits erweiterten Venen wirken. Besonders wenn man an steilen Stellen sehr tief steigen oder sogar springen muss, kann es kurz danach zu drückenden Fußschmerzen kommen.

Wer sich auf einer längeren Wanderung befindet, sollte sich auf der Bergspitze eine Pause gönnen, bei der im Idealfall die Füße für 10 - 15 Minuten nach oben gelegt werden. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen hilft natürlich ebenfalls.

Yoga und Pilates
Viele Yogaschüler schwören auf komprimierende Leggings, da sie damit länger durchhalten und sich danach fitter fühlen. Dieser Effekt könnte durch das Aktivieren des Lymphgefäßsystems zustande kommen, was bei einigen Yogaübungen der Fall ist. Durch die Kompression der Beine wird das Abtransportieren von Abfallstoffen im Zellgewebe zusätzlich begünstigt. Genaue Fakten oder Studien gibt es in diesem Bereich allerdings noch nicht.

Business-Veranstaltungen und Messen
Wer schon einmal auf einer großen Messe zu Besuch war und sich zur Aufgabe genommen hat, alle Stände mindestens einmal zu besuchen, weiß, was geschwollene Beine und Muskelkater in der unteren Körperhälfte bedeuten. Egal ob man einen Messestand im Stehen bewachen muss, einen längeren Vortrag hält oder wie bereits erwähnt das Messegelände abläuft - durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen wird man eine deutliche Erleichterung aller typischen “Messe-Symptome” verspüren.

Studien über Kompressionsstrümpfe beim Sport

Die bekannteste Studie stammt von der Universität in Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sport und Sportwissenschaften. Untersucht wurde die Wirkung der Kompressionsstrümpfe auf die Ausdauerleistungsfähigkeit von 10 Frauen und 10 Männern im Alter von 19 bis 28 Jahren. Jeder Teilnehmer wurde dabei einem 3 minütigen Test auf dem Laufband bei 6 km/h und anschließend bei 8 km/h unterzogen. Einmal mit medizinischen Kompressionsstrümpfen und einmal mit herkömmlichen Laufsocken. Die Teilnehmer waren mäßig trainiert.

Das Ergebnis war, dass die Kompressionsstrümpfe zu einer Verbesserung von bis zu 1,75 % geführt haben, was für die kurze Laufzeit recht viel ist. Quelle

Am Hohenstein Institut hat man untersucht, ob mit Kompressionsstrümpfen eine schnellere Muskelregeneration möglich ist. Dabei wurden 10 Triathleten auf einen 5-KM-Lauf mit anschließenden Sprungübungen geschickt. Die Athleten wurden dafür in 2 Gruppen geteilt: Die eine trug maßgeschneiderte Kompressionsstrümpfe mit optimalem Druckverlauf, die andere normale Laufsocken ohne Kompression. Nach einer Woche wurden die Gruppen getauscht und der Belastungstest wurde erneut durchgeführt.

Bei der sportlichen Belastung selbst wurde keine besondere Leistungssteigerung erkannt. Durch die anschließenden Bluttests konnte bei den Kompressionsstrumpf-Trägern ein erhöhter Myokin-Anteil im Blut gefunden werden. Myokine sind Botenstoffe, die bei der Bewegung von Muskeln ausgeschüttet werden und den Heilungsprozess einleiten. Sie geben sozusagen den Erholungsgrad der Muskeln an. Quelle

Mögliche Probleme und Nebenwirkungen

Beim Sport sind die Strümpfe extremen Bewegungen ausgesetzt, was das Verwenden von regulären Stütz- und Thrombosestrümpfen ausschließt, da diese lediglich für den ruhigen Betrieb gedacht sind und bei starker Beanspruchung keine Wirkung besitzen. Doch auch medizinische Kompressionsstrümpfe können verrutschen und zu weit oder zu eng sitzen. Die Lösung für die meisten Probleme haben wir in diesem Artikel beschrieben. Speziell beim Sport sollte man unbedingt darauf achten, dass die Strümpfe gut sitzen und nicht verrutschen. Strümpfe die an den Zehen offen sind, sind nicht zu empfehlen, da sich die Öffnung bei starker Bewegung möglicherweise nach hinten rollt. Über die Kompressionsstrümpfe kann man normale Laufsocken ziehen, um einen besseren Halt in den Schuhen zu bekommen.