Stütz- & Kompressionsstrümpfe | Wirkungsweise & Anwendungsbereiche

Stütz- und Kompressions-Strümpfe | Wirkungsweise & Anwendungsbereiche

Kompressionsstrümpfe üben einen gleichmäßigen Druck rund um das Bein aus, was die Blutgefäße und Beinvenen wieder auf einen normalen Durchmesser komprimiert. Dies verbessert den Blutfluss zurück zum Herzen, da die Venenklappen ihre Funktion als Rückstauventile wieder aufnehmen können, was wiederum das Versacken des Bluts in den Beinen verhindert. Auch die Lymphflüssigkeit im Gewebe kann so besser abtransportiert werden, was dem Anschwellen der Beine vorbeugt.

Normalerweise sollten das körpereigene Bindegewebe und die Faszien diese Aufgabe übernehmen. Durch unseren modernen Lebensstil mit zu viel Sitzen oder auch durch das Schwangerschaftshormon Progesteron wird das Gewebe im Bein jedoch weich und kann dem Druck in den Venen nicht mehr standhalten. Die venösen Blutgefäße werden breiter, die Venenklappen schließen nicht mehr richtig und die Venen werden immer mehr in die Breite gedehnt, da das versackende Blut den Druck stetig erhöht. In einem solchen Fall sollten unbedingt medizinische Kompressionsstrümpfe getragen werden, um eine Verschlimmerung zu verhindern oder die Symptome gar nicht erst entstehen zu lassen.

Der Druck bei medizinischen Kompressionsstrümpfen nimmt analog zur Schwerkraft nach unten hin zu. Andernfalls würden sie das Bein oben abschnüren und das Blut im Bein stauen. Deswegen dürfen Kompressionsstrümpfe niemals am oberen Rand umgekrempelt werden, da sich so der Druck an der Stelle erhöht, wo er nur minimal sein sollte.

Warum, wozu und wofür braucht man Kompressionsstrümpfe?

Die Wirkung von Kompressionsstrümpfen ist immer dieselbe, aber sie werden bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen eingesetzt. Eine Diagnose erfolgt in der Regel durch einen Arzt, aber zur reinen Prophylaxe (zum Beispiel auf einem langen Flug) können Kompressionsstrümpfe in einer niedrigen Kompressionsklasse auch ohne ärztliche Verschreibung einfach im Sanitätshaus gekauft werden. Bei folgenden Indikationen werden in der Regel Kompressionsstrümpfe verschrieben:

Lymphödem (Wasser in den Beinen)

Ein Lymphödem ist eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe, meistens in den Beinen. Es entsteht, wenn die Lymphflüssigkeit nicht über die Venen abtransportiert werden kann, wodurch das Lymphsystem die überschüssige Flüssigkeit an das benachbarte Gewebe abgeben muss. Durch mangelnde Bewegung und Übergewicht wird das Risiko zusätzlich erhöht. Ursachen für ein Lymphödem können Fehlbildungen im Lymphsystem, Entzündungen im Bein, Parasiten, Pilzerkrankungen oder Hormonstörungen sein.

Kompressionsstrümpfe werden bei Lymphödemen eingesetzt, um den Abtransport der Flüssigkeit zu begünstigen und die weitere Ansammlung zu verhindern. Während man die Kompressionsstrümpfe trägt, bekommen manche Patienten noch spezielle Bewegungsübungen verordnet, die den Abtransport begünstigen.

Lipödem

Das Lipödem ist eine erweiterte Form des Lymphödems, bei dem sich große Fettpolster seitlich der Hüfte und an den Oberbeinen anhäufen. In diesen Fettpolstern sammelt sich wiederum zuviel Lymphflüssigkeit, wodurch eine Schwellung der betroffenen Bereiche entsteht. Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen nach der Pupertät oder der Schwangerschaft auf, was auf hormonelle Veränderungen oder Fehlernährung zurückzuführen ist.

Bei einem Lipödem müssen Kompressionsstrümpfe in einer hohen Kompressionsklasse (4 oder mehr) getragen werden. Neben der Kompressionstherapie sollte sich der Patient unbedingt bewegen und ein entsprechendes Sportprogramm durchführen. Wenn möglich sollte eine Gewichtsnormalisierung angestrebt werden.

Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)

Bei dieser Krankheit ist der Abfluss in den Venen genetisch gestört, was durch kaputte Venenklappen, Beinvenenthrombosen und einem zu geringen Gegendruck des umliegenden Gewebes zusätzlich gefördert wird. Neben den genetischen Faktoren können auch Bewegungsmangel und das Alter eine Rolle spielen.

Im fortgeschrittenen Stadium ist eine dauerhafte Kompressionstherapie nötig, um die Symptome und eine weitere Verschlimmerung zu verhindern. Zu Beginn kann die Krankheit ggf. mit der Stärkung des umliegenden Gewebes durch Sport und dem temporären Tragen von Kompressionsstrümpfen in den Griff bekommen werden.

Varikosis

Die Varikosis ist im Volksmund als Krampfader bekannt. Dabei treten die Adern des Beines in knotenartigen Verkrümmungen unter der Haut hervor. Sie entstehen ebenfalls durch eine Schwäche der Venen, welche sehr häufig im Alter vorkommt. Wenn bei den ersten Anzeichen von Krampfadern keine Kompressionsstrümpfe getragen werden, werden sich die Krampfadern weiter vermehren und im schlimmsten Fall auch eine Chronisch venöse Insuffizienz mit sich bringen.

Tiefe Beinvenenthrombose (Thrombophlebitis)

Wenn eine tieferliegende Beinvene von einer Thrombose betroffen ist, spricht man von einer Thrombophlebitis. Die Ursache ist dabei noch immer unklar. Eine tiefe Beinvenenthrombose tritt allerdings viel seltener auf, als eine oberflächliche.

Da die Thrombophlebitis sehr schmerzhaft sein kann, wird Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung und Schmerzlinderung verabreicht. Der Patient sollte sich normal bewegen, wie es mit den bestehenden Schmerzen umsetzbar ist. Auch das Anlegen von Kompressionsstrümpfen kann am Anfang sehr schmerzhaft sein, dennoch sollten diese so früh wie möglich getragen werden.

Postthrombotisches Syndrom

Als Folge einer schweren Thrombose entsteht an der betroffenen Vene eine Entzündung, die aber nicht durch Bakterien bedingt ist. Es ist ein Reparaturversuch des Körpers, um die beschädigte Vene wieder funktionstüchtig zu bekommen. Dabei werden allerdings manchmal die Venenklappen zerstört, was das Versacken den Blutes wieder begünstigt. Auch hier sind das tägliche Tragen eines Kompressionsstrumpfes und Bewegung das A und O. Im Sitzen sollte man das Bein immer hochlegen, um das Venensystem zusätzlich zu entlasten und die Heilung zu beschleunigen.

Verbrennungen und Narbenbehandlungen

Die Haut verfügt über eine natürliche Spannung, die ebenfalls eine Kompressionswirkung hat. Wenn die oberen Hautschichten durch schwere Verbrennungen zerstört wurden, muss diese Aufgabe durch einen Verband und einen Kompressionsstrumpf kompensiert werden. Durch den fehlenden Druck der Haut, wächst das neu erzeugte Kollagen wild durcheinander, was die typischen Verbrennungsnarben entstehen lässt. Durch eine Kompressionstherapie kann dieser Effekt gemindert werden.

Herzinsuffizienz

Ein geschwächter Herzmuskel hat mit dem Zurückpumpen des Blutes aus den Beinen eine schwierige Aufgabe. Besonders wenn die Venenklappen nicht mehr zu 100% funktionieren. Durch das Anlegen von Kompressionsstrümpfen kann der Herzmuskel entlastet werden. In diesem Fall sollte aber immer ein Arzt konsultiert werden, da bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz auf keinen Fall eine Kompressionstherapie angewendet werden sollte.

bei Querschnittslähmung

Leider kommt es bei querschnittsgelähmten Patienten häufig zu Schwellungen und Ödemen, da die Muskel-Pumpfunktion im Bein nicht ausreicht. Auch hier wird oft eine Kompressionstherapie angewendet, um die Schwellungen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Als Thromboseprophylaxe

Kompressionsstrümpfe werden in niedrigen Kompressionsklassen auch prophylaktisch gegen Beinvenentrombosen eingesetzt. Besonders in der Schwangerschaft oder auf Flugreisen kann dies einen späteren Besuch im Krankenhaus erspraren.

Was passiert, wenn man die Strümpfe nicht trägt?

Wer von seinem Arzt Kompressionsstrümpfe verordnet bekommt, diese aber nicht konsequent trägt, geht die Gefahr ein, dauerhafte Schäden und Probleme zu bekommen. Gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen wie der Chronisch venösen Insuffizienz oder der Thrombophlebitis sollten die Kompressionsstrümpfe konsequent getragen werden.

Oft tragen Patienten ihre Strümpfe jedoch nicht, weil diese unangenehme Nebenwirkungen wie Juckreiz, Druckstellen, Schwitzen und manchmal auch Schmerzen verursachen können. Hier finden Sie einige Tipps, wie Sie genau diese Probleme vermeiden können.

Kann man die Strümpfe auch Nachts tragen?

In der Nacht ist das Tragen der Kompressionsstrümpfe nicht nötig, da das Venensystem in liegender Position sowieso entlastet ist und keine Schwellungen auftreten. Dazu kommt, dass die Kompressionsstrümpfe die Muskelpumpe der Beinvenen wieder aktivieren sollen, was nur mit der Bewegung des Beins stattfinden kann. In der Nacht ist dies nicht der Fall.